Vernetzung von Projekten im Informationsmanagement
Die rapide wachsende Anzahl digitaler Informations- und Kommunikationskanäle, die Konsumenten heute nutzen, stellt Unternehmen weiterhin vor große Herausforderungen. Obwohl diese Entwicklung seit Jahren offensichtlich ist, reagieren viele Organisationen nach wie vor nicht angemessen darauf. Neue Kanäle, wie zum Beispiel Social Commerce, Direct-to-Consumer-Plattformen (D2C) oder diverse Handelsplattformen (Amazon und Co.), werden oft isoliert betrachtet und getrennt von traditionellen Kanälen (Print und Warenhäuser) organisiert. Das Ergebnis ist eine fragmentierte Organisationsstruktur, die in Silos arbeitet und selten die Perspektive des vernetzten Konsumenten einnimmt.
Die Ära der digitalen Totalvernetzung hat sich inzwischen zur Realität entwickelt. Kunden bewegen sich nahtlos zwischen Online- und Offline-Kanälen, tauschen Informationen in Echtzeit aus und erwarten von Unternehmen eine nahtlose, konsistente Kommunikation und Interaktion über alle Touchpoints hinweg. Diese Veränderung hat viele Unternehmen überfordert. Zwar wurden in den letzten Jahren diverse Projekte wie die Einführung moderner Webshops, digitale Self-Service-Portale oder optimierte Content-Management-Systeme gestartet, doch diese Maßnahmen waren oft auf Fachbereiche begrenzt und ohne ganzheitliche Strategie.
Die Kosten für inkonsistente Produkt- und Kundeninformationen sowie ineffiziente Prozesse sind in vielen Unternehmen inzwischen explodiert. Übersetzungsmanagement, Datenpflege und die Integration neuer Technologien treiben diese Kosten weiter in die Höhe. Es wird zunehmend klar, dass ein umfassendes Informationsmanagement im Topmanagement verankert werden muss, um diese Probleme zu adressieren.
Die Etablierung von Information Supply Chain Management (ISCM)
Das Konzept des Information Supply Chain Management (ISCM) hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Aber was umfasst ISCM heute, und welche Schwerpunkte setzen moderne Unternehmen in diesem Bereich?
Die Themenfelder des ISCM lassen sich heutzutage grob in zwei Hauptbereiche gliedern:
- Multichannel Commerce: Dieser Bereich, der von vielen Unternehmen als geschäftskritisch wahrgenommen wird, umfasst die digitale Vertriebslandschaft – von E-Commerce-Plattformen bis hin zu innovativen Kanälen wie Social Commerce, Mobile Apps und Virtual Reality-Erlebnissen. Besonders der Anteil des E-Commerce ist seit 2013 massiv gestiegen; er trägt heute in vielen Branchen mehr als 90 % zum Umsatz im B2C-Bereich bei. Ergänzt wird dies durch Kanäle wie Print oder Offline-Präsenz in Form von Showrooms, die trotz Digitalisierung weiterhin relevant bleiben, wenn auch in reduzierter Rolle.
- Multi-Touchpoint-Communication: Neben dem Vertrieb müssen Unternehmen heute jeden Berührungspunkt mit Kunden orchestrieren – von Websites und Apps über Social Media bis hin zu physischen Verkaufsstellen. Mithilfe von Customer-Relationship-Management-Systemen (CRM) und BI Analysetools lassen sich individuelle Kundeninteraktionen datenbasiert generieren.
Technologie als Backbone für ISCM
Kein ISCM ohne technologische Grundlage: Heute bilden Product Information Management-(PIM-), Media Asset Management-(MAM-) und Content Management-Systeme (CMS) den Kern einer funktionierenden ISCM-Systemlandschaft. Hinzu kommen neben den „klassischen Tools“ vermehrt KI-gestützte Tools für Übersetzungen, automatisierte Datenaufbereitung und fortschrittliche Suchtechnologien, die Informationen über Systemgrenzen hinweg zugänglich machen.
Content- und Media-Onboarding ist besonders im Handelsumfeld ein entscheidendes Thema, da Unternehmen mit immer größeren Sortimentsvolumina agieren müssen. Hierbei kommen zunehmend KI-Technologien zum Einsatz, um Produktinformationen und Medieninhalte effizient zu erstellen und zu verwalten.
Für international tätige Unternehmen ist zudem das Sprachenmanagement eine zentrale Herausforderung. In einer globalisierten Wirtschaft werden Informationen in bis zu 40 Sprachen benötigt, und maschinelle Übersetzungen haben sich in Kombination mit menschlicher Qualitätsprüfung als unverzichtbare Lösung etabliert.
Die Rolle des Marketing Ressource Management
Das Marketing Ressource Management (MRM) hat sich als wichtige Disziplin etabliert, um Kampagnen und Budgets kanalübergreifend zu planen, zu steuern und zu kontrollieren. Moderne MRM-Plattformen integrieren sich heute nahtlos in ERP-Systeme und ermöglichen die ganzheitliche Planung von Marketingaktivitäten. Dies löst viele der Probleme, die in der Vergangenheit durch isolierte Arbeitsweisen und Tools wie Excel entstanden sind.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Obwohl die technischen Rahmenbedingungen für zentralisierte Systeme heute vorhanden sind, fehlt es in vielen Unternehmen weiterhin an übergreifenden Strategien und der notwendigen organisatorischen Verankerung. Ein schlagkräftiges, interdisziplinäres ISCM-Team ist unerlässlich, um die hochkomplexen Herausforderungen zu meistern. Dies umfasst nicht nur technische Expertise, sondern auch die Fähigkeit, unterschiedliche Denkweisen – etwa aus IT, Marketing und Logistik – zusammenzuführen.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Fähigkeit, Technologie, Prozesse und Menschen zu orchestrieren. Nur so kann es gelingen, die vielen „Einzelinstrumente“ zu einem harmonischen Orchester zusammenzuführen, sodass die Anforderungen der modernen Informationsgesellschaft erfüllt werden.
Erfolgreich wird es, wenn die folgenden fünf Punkte umgesetzt werden:
✅ Zentrales ISCM-Team etablieren
Zusammensetzung aus Experten der Bereiche IT, Marketing, Vertrieb, Logistik und Produktmanagement. Dieses Team wird als zentrale Koordinationsstelle etabliert, die über alle ISCM-relevanten Prozesse wacht.
✅ Modulare ISCM-Plattform einführen
Auswahl einer modularen ISCM-Softwarelösung, die PIM, MAM, CMS und Übersetzungsmanagement integriert. Plattformen sollten zudem APIs für den Datenaustausch mit bestehenden Systemen bieten.
✅ Übergreifende Zielarchitektur definieren
Erstellung eines „Soll-Zustands“ der IT- und Prozesslandschaft mit Fokus auf Datenkonsistenz, Medienmanagement und kanalübergreifender Kommunikation.
✅ Agiles Projektmanagement einsetzen
Einsatz von agilen Methoden (z. B. Scrum, Kanban), um die Einführung von ISCM-Technologien und Prozessen iterativ voranzutreiben.
✅ Schulung und Change-Management vorantreiben
Kontinuierliche Schulungen und Workshops, um die „Silos“ miteinander zu vernetzen und das Verständnis für die Gesamtheit des ISCM-Prozesses zu fördern. Parallel dazu ein strukturiertes Change-Management, das alle Beteiligten einbindet und Widerstände abbaut.