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PIM vs. MDM – Datenmanagement im Spannungsfeld zwischen Marketing, Produktmanagement und IT

Im Bewusstsein der Unternehmen ist bereits klar angekommen: Daten sind ein strategischer Rohstoff, dessen Qualität, Struktur und Verfügbarkeit direkten Einfluss auf Wettbewerbsfähigkeit und Kundenerlebnis haben. Besonders im Kontext von Multichannel-Strategien, internationalen Märkten und zunehmender Produktvielfalt sind effiziente Datenmanagement-Systeme unerlässlich.

Die Frage, welche Systeme hierbei eingesetzt werden können, ist für viele Unternehmen dabei nicht klar beantwortet und hängt auch von ihrer Strategie ab. In diesem Beitrag liegt der Fokus auf zwei Arten von Systemen, die hierbei als Schlüsseltechnologien etabliert sind: Master Data Management (MDM) und Product Information Management (PIM).

Unser Senior Consultant Dirk Wäscher beleuchtet in diesem Artikel die Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Stärken und Schwächen von PIM- und MDM-Systemen. Zudem wird dargestellt, wann der Einsatz beider Systeme sinnvoll ist und wie Künstliche Intelligenz (KI) neue Potenziale eröffnet. Nicht zu vergessen ist hierbei, dass erfolgreiche Datenprojekte nicht allein durch Technologie gelingen, es braucht auch klare Prozesse und Verantwortlichkeiten. In der Umsetzung in Unternehmen muss also das „Management“ als Thema verstanden und angegangen werden, anstatt den Fokus nur auf ein System zu legen.

Was ist Product Information Management (PIM)?

PIM konzentriert sich auf die Anreicherung, Pflege und Bereitstellung von produktbezogenen Informationen vor allem für Marketing- und Vertriebskanäle. Es geht dabei nicht um rein technische Stammdaten, sondern um verkaufsfördernde Inhalte wie Produktbeschreibungen, Bilder, Videos, technische Datenblätter oder Übersetzungen.

PIM-Systeme sind oft eng mit E-Commerce-Plattformen, Marktplätzen, Printsystemen oder Apps verknüpft und tragen dazu bei, die Time-to-Market zu reduzieren und ein konsistentes Produktbild über alle Kanäle hinweg zu gewährleisten.

Was ist Master Data Management (MDM)?

Master Data Management ist ein strategischer Ansatz zur zentralen Verwaltung von Stammdaten eines Unternehmens. Diese Daten sind nicht transaktional, sondern stabil und unternehmensweit relevant. Dazu zählen Informationen über Kunden, Lieferanten, Standorte, Produkte und mehr. Ziel von MDM ist es, diese Daten konsistent, eindeutig und aktuell bereitzustellen – über alle Systeme und Abteilungen hinweg.

MDM ist typischerweise stark in die IT-Architektur integriert und bildet die Grundlage für zahlreiche Unternehmensprozesse. Es stellt sicher, dass beispielsweise ein Kunde in allen Systemen unter derselben ID geführt wird oder Produktstammdaten in ERP und CRM übereinstimmen.

MDM befasst sich also auch mit Produktdaten, aber eben bei Weitem nicht nur. Neben eigenen Produktdaten werden auch Daten zu Kunden, Lieferanten, Standorten und teilweise Mitarbeitern betrachtet. Entsprechend wird auch oft von Multidomain MDM gesprochen, um diese Vielfalt an Datenarten zu beschreiben.

Gemeinsamkeiten von PIM und MDM

Sowohl PIM als auch MDM verfolgen das Ziel, Daten zentral zu verwalten und qualitätsgesichert bereitzustellen. Beide Systeme setzen auf klar definierte Prozesse und Rollen in der Datenpflege und tragen zur Daten-Governance im Unternehmen bei.

Dirk Wäscher

Ein weiterer gemeinsamer Nenner ist die Relevanz für digitale Strategien: Ohne saubere Stammdaten (MDM) und hochwertige Produktinformationen (PIM) wird eine Omnichannel-Kommunikation oder Personalisierung nahezu unmöglich. Beide Systeme unterstützen somit datengetriebene Entscheidungen und Prozesse.

Unterschiede zwischen PIM und MDM

Trotz vieler Überschneidungen verfolgen beide Systeme unterschiedliche Schwerpunkte:

  • Datenarten: MDM verarbeitet unternehmensweite Stammdaten. PIM fokussiert sich auf marketing- und vertriebsrelevante Produktinformationen.
  • Zielgruppen: MDM richtet sich primär an IT und zentrale Datenverantwortliche. PIM ist für Marketing, Produktmanagement und E-Commerce relevant.
  • Prozesse: MDM unterstützt Governance, Validierung und Synchronisation. PIM ermöglicht Content-Enrichment, Lokalisierung und medienneutrale Ausleitung.
  • Integration: MDM-Systeme sind tief mit ERP, CRM oder BI-Lösungen vernetzt. PIM-Systeme dienen als Schnittstelle zu Webshops, Katalogsystemen und Marktplätzen.

Beispielhafte Einsatzszenarien

Ein Handelsunternehmen mit mehreren ERP-Systemen in verschiedenen Regionen kann MDM nutzen, um eine zentrale Sicht auf die unterschiedlichen Daten zu schaffen. Lieferanten- und Kundendaten werden verwaltet, Dubletten entfernt, Daten qualifiziert, Prozesse standardisiert. Dazu werden Produktstammdaten vorgehalten, die sowohl intern als auch extern benötigt werden. Hier zeigt sich, wie tief der MDM-Gedanke im Unternehmen verankert werden muss. Die einzelnen Use Cases müssen durchdacht werden vom Kundenkontakt, über die Prozesse, Organisationsstruktur, Datenmodell bis zu den benötigten Systemen. Betroffen sind hier immer mehrere Systeme und Organisationseinheiten.

Der Einsatz eines PIM Systems bei einem Hersteller mit internationalem Vertrieb wiederum wird dazu genutzt, Produktinformationen in mehreren Sprachen zu pflegen, Bilder (in Zusammenarbeit mit einem Digital Asset Management-System) zentral zu verwalten und Inhalte automatisiert an Online-Shops und Kataloge auszuspielen. Hierbei geht es vor allem um kommunikationsrelevante Produktdaten, ein wichtiger Unterscheidungspunkt zu produktionsrelevanten Daten, die hier nicht abgebildet werden. Dafür stehen die Informationen in allen relevanten Sprachen zur Verfügung, inklusive lokalisierter Inhalte, um Produkte marktspezifisch bewerben zu können.

Kombination von PIM und MDM – sinnvoll oder doppelt gemoppelt?

Obwohl Produktinformationen auch als Teil des Master Data Managements gesehen werden, gibt es durchaus Gründe, warum MDM und PIM gleichzeitig existieren. So kann ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen mit Kunden in Europa, Asien und Nordamerika MDM einsetzen, um globale Produkt- und Kundendaten zentral zu konsolidieren und pflegen zu können. Gleichzeitig würde das Unternehmen PIM einsetzen, um technische Produktinformationen, Videos, CAD-Daten und Übersetzungen in verschiedenen Sprachen bereitzustellen. Die PIM-Daten fließen direkt in digitale Produktkataloge, den Webshop und externe Marktplätze ein. Die Kombination beider Systeme kann hier die Time-to-Market reduzieren und die Kundenzufriedenheit steigern.

Seitens der Systemarchitektur gibt es zwei gängige Ansätze: MDM als zentrale Datenquelle, PIM als empfangendes System zur Anreicherung oder PIM als eigenständige Plattform für produktbezogene Contentpflege mit Anbindung an MDM für grundlegende Stammdaten. Die Voraussetzung für eine funktionierende Kombination ist aber in jedem Fall eine klare Aufgabenverteilung und ein durchdachtes Schnittstellenmanagement – ergänzt durch schlanke, digitalisierte Prozesse.

Grafiken PIM 1
Grafik MDM

KI-gestützte Optimierung von MDM und PIM

Spannend wird der Einsatz von neuen Technologien, vor allem Künstliche Intelligenz (KI), von der sich viele Firmen viel erhoffen. Grundlage bilden auch hier vorhandene und vor allem korrekte Daten. Für KI bieten sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, um PIM- und MDM-Systeme noch leistungsfähiger zu machen und die Datenmanager zu entlasten:

  • Automatische Datenqualitätsprüfung: KI kann Dubletten, Inkonsistenzen oder fehlende Informationen automatisch erkennen und vorschlagen, wie diese zu bereinigen sind.
  • Content-Ergänzung und -Generierung: KI-Modelle können auf Basis bestehender Produktdaten automatisch Marketingtexte, Produktbeschreibungen oder Übersetzungen erstellen.
  • Bilderkennung und -tagging: Mit KI lassen sich Produktbilder automatisch analysieren und verschlagworten, was besonders im Produkt-Kontext die Auffindbarkeit verbessert.
  • Personalisierte Produktempfehlungen: Auf Basis der zentral gespeicherten und angereicherten Daten können KI-Algorithmen Empfehlungen generieren, die in E-Commerce-Systeme ausgespielt werden.
  • Vorhersagen für Produktdatenpflege: KI kann Muster erkennen, wann welche Informationen aktualisiert werden müssen, und proaktiv auf notwendige Pflege hinweisen.
  • Semantic Matching: Im MDM-Bereich hilft KI beim Abgleich von Daten aus unterschiedlichen Quellen, die unterschiedlich benannt oder strukturiert sind.
  • Business Intelligence: In Kombination mit BI-Tools können aufbereitete MDM- und PIM-Daten zur Trendanalyse, zur Sortimentsoptimierung oder zur Marktsegmentierung genutzt werden. KI erkennt hier Auffälligkeiten, Muster und Chancen, die menschlichen Analysten möglicherweise entgehen.

Allerdings entfalten diese KI-Potenziale nur dann ihre Wirkung, wenn auch Prozesse entsprechend angepasst werden: Automatisierte Workflows, abgestimmte Rollenmodelle und interdisziplinäre Teams sind die Basis für den Erfolg.

Fazit und Handlungsempfehlung

MDM und PIM sind keine konkurrierenden Themen, sondern ergänzen sich strategisch. Unternehmen sollten PIM dort einsetzen, wo eine hohe Content-Tiefe und Multichannel-Ausleitung gefordert sind, und MDM, wo es um Datenkonsistenz und Governance geht.

Ein reines MDM-System wird den Anforderungen des Marketings selten gerecht, während ein isoliertes PIM-System ohne MDM schnell an Grenzen in puncto Datenqualität und Skalierbarkeit stößt.

Unternehmen sollten ihre Systemlandschaft ganzheitlich analysieren, relevante Stakeholder frühzeitig einbinden und eine klare Datenstrategie entwickeln. Neben der Technologie sind insbesondere auch die zugrunde liegenden Prozesse anzupassen: Verantwortlichkeiten müssen definiert, Datenpflege-Workflows optimiert und Mitarbeitende geschult werden. Die Investition in Systeme und Prozesse zahlt sich langfristig durch bessere Daten, schnellere Time-to-Market und höhere Kundenzufriedenheit aus.

Vergleichstabelle PIM vs. MDM


KategoriePIMMDM
FokusAnreicherung von Produktinformationenzentrale Verwaltung von Stammdaten
ZielgruppeMarketing, Produktmanagement, VertriebIT, Datenmanagement
DatenartProduktbeschreibungen, Bilder, Videos, MarketingtexteKunden, Lieferanten, Produkte, Standorte
HauptnutzenTime-to-Market, Kanalvielfalt, KundenanspracheDatenkonsistenz, Governance, Reporting
SystemintegrationAnbindung an E-Commerce, Marktplätze, Print, Kundensystemestark mit ERP/CRM verknüpft

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