Digitale Transformation – eine typische Story
Blicken wir einmal gemeinsam auf das fiktive Beispiel Präzisionswerkzeuge Heinrich und Söhne GmbH. Ein solides Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand mit viel Tradition und hoher Produktqualität. Nach einem Generationenwechsel in der Geschäftsführung wurde der Zeitgeist erkannt und das Unternehmen nach bestem Wissen und Gewissen für die digitale Welt flottgemacht.
Erst mit dem Relaunch auf eine moderne Website, dann wird die verstaubte AS-400 durch eine moderne ERP-Software abgelöst. Statt der in dritter Vertriebsgeneration vererbten „Anruf-Excel“ gibt es nun ein CRM-System, Produktinformationen werden in einem Product Information Management-System (PIM) verwaltet und die schönen neuen Produktbilder erstrahlen dank Digital Asset Management (DAM) im eigenen Onlineshop.
Und damit erging es unserer Heinrich und Söhne GmbH eine ganze Zeit lang auch sehr gut. Nur in letzter Zeit wird es ungemütlich: Anforderungen und Veränderungen tauchen mit immer höherer Schussfrequenz auf. Onlineshop war gestern, headless ist heute. Amazon, eBay und Co. bieten neue und gern gesehene Vertriebschancen, wollen aber alle ihr eigenes Datenformat. Welcher Produktmanager soll das leisten? Und dann jetzt auch noch die Chancen und Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz …
Wie soll man da hinterherkommen? Und ehe es sich versieht, ist unsere Präzisionswerkzeug GmbH in fünf große Digitalprojekte gleichzeitig verstrickt und hat trotzdem dauerhaft das Gefühl, hinter der Konkurrenz herzuhinken. Das kann sehr demotivierend und frustrierend sein. Doch was genau ist passiert?
Das Unternehmen hat seine IT-Landschaft zwar modernisiert, sich dabei aber für einen eher monolithischen Ansatz entschieden. Große Softwarelösungen wurden implementiert, die eine hohe Bindung an Anbieter und Integratoren mit sich bringen und lange Entwicklungszyklen für neue Module und Features haben.
Um diese viel zu langen Zyklen zu umgehen, werden verstärkt halbherzige Behelfslösungen eingeführt und in den Prozessen dauerhaft verankert. Das macht die Situation nur noch schlimmer, denn nun hat man neben einer monolithischen und trägen Software-Landschaft auch noch Behelfslösungen, die man kaum oder nur schwer warten kann. Das Unternehmen läuft Gefahr, in den Teufelskreis des MARTEC Laws zu kommen: Organisation und Prozesse folgen dem technologischen Wandel nicht mehr.
Die Kluft zwischen verfügbaren Technologien und deren tatsächlicher Nutzung wird immer größer. Doch in diesem Schwebezustand muss es nicht bleiben. Es gibt ein Entkommen.
Die MACH-Architektur – der Weg aus der lähmenden Infrastrukturfalle
Das Geheimnis aus der Krise heißt MACH-Architektur. MACH steht für Microservices, API-first, Cloud-native und Headless. Diese vier Komponenten bilden zusammen eine Architektur, die es Unternehmen ermöglicht, ihre digitalen Produkte und Services modular zu entwickeln und dabei dauerhaft flexibel zu bleiben.
- Microservices statt monolithischer Software: Kleine, unabhängige Dienste, die jeweils eine spezifische Funktion übernehmen (z. B. Produktkatalog, Warenkorb, Zahlungsabwicklung), ersetzen die kontinuierlich weiterentwickelte Gesamtlösung.
- API-first statt Import/Export: Schnittstellen (APIs), die als zentrale Verbindung zwischen den verschiedenen Microservices und Ausgabekanälen dienen, ersetzen selbst gebastelte Hotfolder, Skripte und weitere fehleranfällige Übertragungen.
- Cloud-native statt selbst gehostet: Die Einführung von Anwendungen, die speziell für die Cloud entwickelt wurden und deren Vorteile voll ausschöpfen, machen kostenintensive und schwer zu skalierende Serverstrukturen im eigenen Haus überflüssig.
- Headless statt Fixierung auf wenige Kanäle: Die Trennung von Frontend (Benutzeroberfläche) und Backend (Geschäftslogik) ermöglicht eine Datenlieferung an verschiedenste und neue Kanäle ohne große Anpassungsaufwände der bisherigen Datenstrukturen.
Die Ursprünge der MACH-Architektur liegen in der Ablösung großer, monolithischer E-Commerce-Lösungen, bei denen alle für den Onlineshop notwendigen Daten in einer Software mit einer Datenbank verwaltet wurden: Produktdaten, Kunden und Login, Informationen, Preise, Businesslogik wie z. B. Verfügbarkeitsanzeigen, Warenbestände usw. plus die für die Online-Darstellung notwendigen Module wie Produktkatalog, die Suche, der Warenkorb, Check-out und Bezahlung.
Das Herauslösen dieser Daten und Funktionen in Microservices, die in der Cloud arbeiten, ihre Daten über APIs austauschen und unabhängig von der grafischen Darstellung des Shops funktionieren, ist MACH.
Wie MACH-Architektur helfen kann
Durch die modulare Struktur können Änderungen schnell und gezielt umgesetzt werden, ohne das gesamte System zu beeinträchtigen. Außerdem können Backend- und Frontend-Entwicklungen getrennt erfolgen. Dadurch gewinnt die Gesamtarchitektur enorm an Flexibilität.
Die einzelnen Microservices können unabhängig voneinander skaliert werden, um Spitzenlasten zu bewältigen oder neue Funktionen hinzuzufügen. Ausfallzeiten lassen sich dadurch signifikant reduzieren. So wird eine generelle Skalierbarkeit erreicht.
Zudem ist die Wahl der Technologien in der MACH-Architektur flexibler, da die einzelnen Komponenten über APIs miteinander kommunizieren. Durch diese Flexibilität kann sich das Unternehmen technologieneutral für die beste Lösung entscheiden, die sich als Best-of-Breed bereits am Markt etabliert und durchgesetzt hat.
Die MACH-Architektur ermöglicht Unternehmen, sich an neue Technologien und Trends anzupassen, ohne das gesamte System neu entwickeln zu müssen. So bleibt man auch dauerhaft zukunftsfähig. Durch diese Kernbausteine gelingt eine reibungslosere Anpassung der Systeme an die Unternehmensprozesse. Neue Produkte und Features können so erfahrungsgemäß mit einer wesentlich geringeren Time-to-Market auf den Markt gebracht werden.
Die MACH-Architektur lässt sich auf viele Bereiche der IT-Systeme anwenden. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Herauslösen von Modulen aus alten ERP-Systemen und die Übertragung in dafür optimierte Lösungen. So wird die Kundendatenverwaltung erheblich flexibler, da die Abhängigkeit von alten Benutzeroberflächen und Datenbankstrukturen entfallen. Oder die schwer erweiterbare Lagerverwaltung geht über in ein modernes Lagerverwaltungssystem, um Warentransporte erheblich flexibler zu managen und z. B. auch moderne Fördermittel im Warenlager zu unterstützen.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Aber auch die MACH-Architektur ist nicht der Heilige Gral oder die perfekte Lösung, die man „einfach so“ mal schnell einführen kann. Gerade bei einer unternehmensweiten Transformation sollte man einige Punkte berücksichtigen.
Zuallererst sollte einem bewusst sein, dass die Integration bestehender Systeme in eine MACH-Architektur sehr aufwendig sein kann. Initiale Kosten für einen Umbau sind durchaus nicht zu unterschätzen und sollten mit einer gut gemanagten Migrations- und Change-Phase einhergehen.
Der Einsatz vieler Microservices führt auch zu mehr „drehenden Teilen“ und somit auch zu mehr Komplexität und in Folge zu möglichen Fehlerquellen. Die Verwaltung dieser vielen Microservices und damit ggf. auch einer Vielzahl von Zulieferern erfordert ein hohes Maß an Organisation und Monitoring. Dies sollte man bei der Planung nicht außer Acht lassen.
Viele Services und APIs bedeuten leider gleichzeitig auch viele potenzielle Angriffsstellen für Cyber-Attacken. Eine gut überlegte Sicherheitsstrategie ist bei einer Umstellung auf MACH daher ein absolutes Muss! Die Daten sollten nicht nur aus Sicherheitsgründen auch außerhalb der Microservices abstrahiert in einer eigenen Datenbank-Infrastruktur zusätzlich vorliegen. Das hilft bei der Datenqualität und Konsistenz, ohne die Performance der „arbeitenden Systeme“ im Daily Business zu gefährden. Man spricht hier von einer sogenannten Persistenz-Schicht. Eine sorgfältige Konzeption der Persistenz ist bei der MACH-Architektur besonders wichtig, da man sonst schnell die Übersicht über Stand, Quellen und Ziele der kumulierten Daten verlieren kann.
Unsere Heinrich und Söhne GmbH hat also schon vieles richtig gemacht, kann aber mit der konsequenten Umsetzung einer MACH-Architektur-Strategie die erhoffte Flexibilität zurückgewinnen, benutzerfreundliche und zielgruppenorientierte Lösungen einführen und somit die Lücke zwischen Technologie und deren Anwendung wieder schließen. Mit diesen Maßnahmen kann sie auch in Zukunft schnell auf neue technologische Innovationen und Anforderungen der Märkte reagieren.
Geht es Ihnen ähnlich wie der Heinrich und Söhne GmbH und ist der Architekturwechsel auch bei Ihnen ein Thema? Aber wie fängt man am Besten mit dem Umstieg auf eine MACH-Architektur an?
Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme:
✅ Aktuelle IT-Landschaft analysieren: Welche Systeme und Anwendungen sind im Einsatz? Wie sind sie miteinander verbunden?
✅ Zukunft der Legacy-Systeme: Wie werden bestehende Systeme in die neue Architektur integriert?
✅ Datenmigration: Wie werden die Daten aus den alten Systemen in die neue Umgebung übertragen?
✅ Kosten: Welche Kosten entstehen für die Entwicklung, den Betrieb und die Wartung der neuen Architektur?
✅ Identifizieren Sie Engpässe und Herausforderungen: Wo gibt es derzeit die größten Probleme bei der Flexibilität, Skalierbarkeit oder der Geschwindigkeit von Änderungen?
✅ Kundenbedürfnisse verstehen: Welche Erwartungen haben Ihre Kunden an die digitalen Angebote? Fragen Sie nach!
✅ Pilotprojekt: Starten Sie mit einem kleinen Teilbereich, beispielsweise einem neuen Marktplatz oder Shop.
✅ Externe Beratung: Egal, ob Sie sich für uns entscheiden, holen Sie sich auf jeden Fall Unterstützung von erfahrenen Beratern, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.