Nachdem wir Ihnen im ersten Teil unserer Artikelreihe die wichtigsten Grundlagen der MACH-Architektur anhand eines fiktiven mittelständischen Unternehmens vermittelt haben, möchten wir Sie im zweiten Artikel dieser Reihe auf eine Reise in die reale Praxis mitnehmen.
Erfahren Sie hier, wie ein Unternehmen mithilfe unseres strukturierten Vorgehens dieses Architekturmodell als Grundlage für die Neugestaltung seiner IT-Architektur genutzt hat. Kurz zur Erinnerung: Das ist MACH.
MACH steht für Microservices, API-first, Cloud-native und Headless. Diese vier Komponenten bilden zusammen eine Architektur, die es Unternehmen ermöglicht, ihre digitalen Produkte und Services modular zu entwickeln und dabei dauerhaft flexibel zu bleiben.
Ausgangssituation
Ein mittelständisches Industrieunternehmen hatte sich zum Ziel gesetzt, seine Händler zu stärken und als Unterstützung moderne Lösungen zur Online-Kommunikation für Händler an Endkunden anzubieten. Die Branche ist sehr auf Endkunden angewiesen, wobei unser Unternehmen aus strategischen Gründen ein Direktgeschäft mit dem Endkunden nicht angestrebt. Als Hersteller benötigen es den Handel. Leider ist in der Branche die Ausstattung der Händler mit IT und Know-how sehr heterogen.
Mit dieser Zielstellung wurden wir, die Xtentio GmbH, beauftragt, das Unternehmen zu analysieren und infolge einzuschätzen, wo Handlungsbedarf besteht. Diese Analyse und Handlungsempfehlung beleuchtete neben Daten, Prozessen, Kanälen und Publikationen auch die IT-Architektur.
Ergebnisse und Erkenntnisse der IT-Architektur-Analyse
Es ergab sich ein für mittelständische Unternehmen nicht untypisches Bild: Um eine große, monolithische Warenwirtschaftslösung gruppierten sich viele mehr oder weniger große, mehr oder weniger kundenspezifisch angepasste oder individuell entwickelte Softwarelösungen. Die Systeme waren fast ausschließlich „on premise“, also auf eigenen Servern installiert. Heute selbstverständliche Online-Kommunikationsmittel – wie Microsoft-Teams – waren noch nicht implementiert.
Im Prinzip waren viele der notwendigen Systeme für die Zielstellung zwar vorhanden, aber so nicht nutzbar.
Doch warum?
Online-Kommunikation zum Endkunden durch den Händler bedeutet, Produkte und Service auf Webportalen konsumentengerecht abzubilden. Die notwendigen Informationen wie Produktdaten, Bilder, Preise, Lagerbestand und Lieferzeiten waren zwar vorhanden, aber in siloartig aufgebauten Systemen gespeichert, die ihre Daten nur über dateibasierte Schnittstellen austauschten.
Online-Services, wie die schnelle Erfassung eines Händlerauftrags, waren nicht umsetzbar, da der Weg des Auftrags vom Händler zum Unternehmen durch viele Medienbrüche und einen hohen manuellen Aufwand in der Auftragserfassung recht beschwerlich war.
Die für ein gutes Auftragsmanagement notwendigen Informationen, wie Bestände von Waren, geplante Wareneingänge und Lieferzeiten, lagen verborgen in diversen Modulen der Warenwirtschaft und konnten von anderen Systemen nicht genutzt werden.
Dazu kamen grundsätzliche Herausforderungen aus der gewachsenen Architektur: Die unternehmenskritische Warenwirtschafts-Software war aufgrund ihres Alters kaum noch zu warten, für wichtige Anwendungen wie das Produktinformationsmanagement gab es nur kleine Dienstleister, der Betrieb auf eigenen Servern forderte hohen Ressourceneinsatz.
Wie kann die MACH-Architektur helfen?
MACH diente hier als Guideline, um den Umbau der Architektur zu begleiten.
Microservices
Welche Anwendungen laufen momentan in welchen Systemen? Sind die Anwendungen skalierbar und API-fähig?
Hier ergab die Analyse, dass insbesondere im Warenwirtschaftssystem, welches technologisch veraltet und nicht mehr skalierbar war, der gesamte Block der Auftragseingabe und die Bereiche Produktionssteuerung, Versorgung sowie Lagerverwaltung als eigene Services herausgelöst und durch neue, cloudbasierte und API-freundliche Lösungen abgebildet werden können.
API-first
Bislang wurde der Datenaustausch zwischen den Systemen überwiegend dateibasiert abgebildet. Die Analyse ergab, dass durch das Einfügen einer cloudbasierten ETL-(Extract Transform Load-)Lösung mit einer eigenen Datenhaltung nicht nur die herausgelösten neuen Systeme für Lagerverwaltung und Produktionssteuerung per API miteinander kommunizieren können, sondern sogar das alte Warenwirtschaftssystem eingebunden werden kann. Für die Nutzung der Daten konnte die technisch sehr moderne Datenbank genutzt werden, um die Schwächen der alten Software zu kompensieren. Die APIs ersetzen nun manuelle Dateneingaben und ermöglichen das schnelle Auslesen von Daten ohne langwierige Exporte.
Cloud-native
Einige der Anwendungen, insbesondere das Warenwirtschaftssystem, sollten nicht in die Cloud migriert werden. Durch die Integration der ETL war dies nicht mehr notwendig, zumal die Services, die aus der Warenwirtschaft herausgelöst wurden, schon Cloud-native waren. Beim Cloud-Ansatz geht es nicht zwingend darum, jede mögliche Anwendung in die Cloud zu bringen. Das kann Unternehmen deutlich überfordern und geschäftskritische Prozesse ins Wanken bringen.
Wo der Cloud-native Ansatz aber unbedingt Sinn ergibt, ist im Einsatz von Kommunikationslösungen. Das Unternehmen entschied sich nach unserer Empfehlung früh dafür, die altbekannte Microsoft Office-Welt durch Office 365 abzulösen.
Headless
An diesem Punkt ergab sich tatsächlich die größte Verbesserung. Die zunächst als API first-Tool etablierte ETL-Lösung ermöglichte nach der Integration einer eigenen Datenhaltung in Form einer flexibel erweiterbaren Datenbank einen komplett neuen Ansatz der Informationsnutzung. Die Frontend-Entwickler, die sich nun um den Aufbau der Online-Lösungen für den Händler kümmerten, konnten frei von Datenstrukturen und Datenverfügbarkeit die für den Anwender beste User Experience schaffen. Die notwendigen Inhalte konnten über die ETL und ihre Datenbank in jeder denkbaren Datenform bereitgestellt werden. Die Abhängigkeit von Frontend-Darstellung und Backend-Datenhaltung wurde aufgehoben.
FAZIT
Die MACH-Architektur, ursprünglich gedacht als Ansatz, um bei Softwarelösungen die Abhängigkeit von Frontend und Backend zu überwinden und einen schnellen und flexiblen Datenaustausch und die leichte Integration durch das Hosting in der Cloud zu erreichen, kann auch als Guideline auf gesamte IT-Architekturen eines Unternehmens angewendet werden. Alle vorgenannten Probleme finden sich auch in gewachsenen Umgebungen, in denen die Systeme schlecht kommunizieren, Monolithen viel zu viele Prozesse abbilden müssen und Anwenderinnen und Anwender Expertenwissen benötigen, um Software noch bedienen zu können.
MACH hat dem Unternehmen geholfen, basierend auf einer guten Analyse die richtigen Entscheidungen zur Modernisierung zu treffen, um neue digitale Prozesse zu ermöglichen. Echte digitale Transformation mit echtem Nutzen.
Haben Sie unseren ersten Teil mit den Grundlagen zur MACH-Architektur verpasst? Kein Problem! Lesen Sie hier: MACH-Architektur: Wie Unternehmen mit technischen Innovationen Schritt halten
Möchten Sie noch mehr zu diesem Thema erfahren oder sich kostenlos und unverbindlich beraten lassen? Dann treten Sie gerne in Kontakt mit uns, um gemeinsam über mögliche Lösungsansätze für Ihr Unternehmen zu sprechen!