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Digitalisierung: Sind wir immer noch nicht fertig?

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren nahezu alle Bereiche unseres Lebens durchdrungen. Eine zentrale Aussage aus dem Silicon Valley lautet: „Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.“ Diese Entwicklung führt zu neuen Geschäftsmodellen, die bestehende Unternehmen und ganze Branchen herausfordern. Vor Jahren noch undenkbare Rechenleistung ermöglicht heute sogar Digitalisierung kreativer Tätigkeiten, fast schon unheimlich.

Doch wie sieht die digitale Wirklichkeit in traditionellen Unternehmen aus? Unser Senior Consultant Matthias Jacob hat für Sie einmal zusammengefasst, wie es um die digitale Transformation deutscher Unternehmen steht und was die größten Herausforderungen immer noch sind.

Erfolgsgeschichte deutscher Unternehmen? In der analogen Welt!

Deutsche Unternehmen, insbesondere der gehobene Mittelstand, haben sich in den letzten Jahrzehnten zu globalen Marktführern entwickelt. Mit beeindruckenden Wachstumsraten und höchster Innovation in der Produktentwicklung sind sie zu Global Playern geworden, die in nahezu allen Weltmärkten vertreten sind. Besonders bemerkenswert ist die Verteilung des Erfolgs auf viele Unternehmen, im Gegensatz zu einer Konzentration auf wenige, wie es in den USA der Fall ist. Diese breite Basis machte die Internationalisierung zu einem stabilen Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft. Doch leider macht dem Motor einiges im heutigen Umfeld zu schaffen. Und das sind nicht nur wachsende Bürokratie und mehr als wettbewerbsfähige Produkte aus anderen Ländern.

Herausforderungen der digitalen Informationslieferketten

Im Bereich der digitalen Informationslieferketten hat sich wenig geändert. In vielen Unternehmen wird die Informationsbeschaffung für die Kommunikation zu Produkten und Dienstleistungen immer noch vollständig dem Marketing zugeordnet, das häufig nach altbewährten Mustern aus den 1990er-Jahren arbeitet. Zwar wurden Internet- und E-Commerce-Abteilungen sowie Abteilungen für Content Marketing gegründet, doch viele Unternehmen und deren Marketing- und IT-Abteilungen sehen die digitalen Informationsflüsse nach wie vor nicht als ihre Kernaufgabe an. Der Aufwand, der in die Entwicklung und Herstellung innovativer Produkte gesteckt wird, spiegelt sich nicht in der Datenwelt wider. Physische Supply Chain und Digitale Information Supply Chain sind meilenweit entfernt in Reife und Kenntnis.

Der Stand der Dinge

Der Kompetenzaufbau zur Information Supply Chain insbesondere in mittelständischen Unternehmen hat nicht Schritt gehalten mit den anderen Wachstumsländern. KI ist nur schwach vertreten, selbst Kernprozesse wie Produktentwicklung und Produktion sind kaum digital unterstützt. Der Digitale Zwilling ist immer noch ein Fremdwort. Unternehmen kämpfen weiterhin (oder gerade jetzt) mit Ressourcenmangel für den Betrieb ihrer teilweise veralteten IT-Infrastruktur. MACH-Architektur kennt vielleicht die E-Commerce Abteilung, aber der Rest des Unternehmens schlägt sich mit monolithischen Warenwirtschaftssystemen und angedockten Softwarelösungen herum.

Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes

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Ein übergreifendes Information Supply Chain Management (ISCM) ist notwendig, um die Organisation und Prozesse an die Dynamik der Digitalisierung anzupassen. Informationen zu Produkten und Dienstleistungen müssen übergreifend im gesamten Unternehmen generiert werden. Durchgängige Prozesse und qualitativ gute Daten in der digitalen Informationskette müssen Teil der strategischen Zielsetzung von Unternehmen sein, wenn sie im Wettbewerb bestehen wollen. Nur mit guten Daten können Prozesse digitalisiert und automatisiert werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und wirtschaftlicher entwickeln und produzieren zu können.

Interne Organisation und Digitalisierung

Die interne Organisation muss angepasst werden, um die Digitalisierung erfolgreich zu meistern. Dies erfordert oft mehr als nur den Einsatz neuer IT-Systeme. Unternehmen neigen dazu, das Heil im Einsatz von Produktinformationsmanagement-Software, Lösungen zum Verwalten ihrer digitalen Assets, E-Commerce-Systemen oder gar Master Data Management zu suchen. Die liefernden Softwareunternehmen erhalten dementsprechend lange „Wunschlisten“ mit Lösungsaspekten, die vom ausgewählten Anbieter erwartet werden. An den eigentlichen Kern, nämlich die interne Organisation, traut sich aber fast niemand heran. Diese klassische Vorgehensweise führt immer wieder zu konzeptionellen Fehlern, die zwar einen kleinen Schritt in die Digitalisierung ermöglichen, aber keinen Sprung zulassen. Doch genau dieser Sprung ist in vielen Unternehmen zur Sicherung der Geschäftstätigkeit dringend notwendig.

Strategischer Ansatz und operative Umsetzung

Durch die Integration der Digitalisierung als Vorgehen zur Erreichung von Unternehmensvision und Unternehmenszielen kann die Organisation zielgerichteter den Bedarf analysieren, die richtigen Maßnahmen ableiten und daraus Projekte starten. Die richtige Zielsetzung der Projekte, ein regelmäßiges Portfolio-Management mit dem Abgleich zu den Unternehmenszielen und eine angepasste Priorisierung setzen Digitalisierung operativ um. Das Unternehmen lernt durch Projekte, wie es erfolgreich Prozesse schrittweise digitalisieren und damit optimieren kann, welche Organisation, welche Systeme und welche Daten es dafür benötigt.

Praxisbeispiel

Ein Unternehmen entwickelt und produziert innovative Produkte, die einen großen Anklang am Markt finden. Das Unternehmen ist erfolgreich gewesen, plagt sich jedoch seit einiger Zeit mit Qualitätsproblemen. Die Geschäftsführung hat darum als Leistungsziel gesetzt, eine messbare Qualitätssteigerung zu erzielen.

Eine erste Analyse der Produktionsprozesse hat ergeben, dass aufgrund der schwachen Datenlage und einiger Systembrüche in der Information Supply Chain das vom Kunden bestellte Produkt nicht ausreichend tief digital beschrieben ist. Die Produktentwicklung leistet gute Arbeit in der Erstellung des Digitalen Zwillings, die Daten stehen aber in den Produktionssteuerungssystemen nicht ausreichend gut zur Verfügung. In der Folge gibt es in der Produktion zu viele Freiheitsgrade, und das ausgelieferte Produkt entspricht nicht vollständig dem bestellten.

Eine Ursache für diesen Bruch in der Information Supply Chain ist der hohe Aufwand, die Entwicklungsdaten in Form granularer Stücklisten in das ERP System und von dort in die Fertigung zu übertragen. Abkürzungen wurden genommen, die Datenqualität wurde immer schlechter, Lücken taten sich auf.

Um den Prozess hier digital unterstützen zu können, wurde ein Projekt gestartet mit dem Ziel, die Daten in einer durchgängig guten Qualität an allen Touchpoints bereitzustellen, wo sie entstehen und benötigt werden. Der Prozess wurde neu definiert, Rollen und Aufgaben beschrieben, die Systemunterstützung in den Teilprozessen und Prozessschritten geprüft und verbessert. Für die systemseitige Unterstützung wurde eine neue Datentransportlösung eingeführt, die nicht nur den Bruch zwischen Entwicklungs- und Fertigungssystemen schließt, sondern auch die Basis für weitere Datenerhebungen bildet. Damit ist gleichzeitig die Grundlage für Data Warehousing und Analytics geschaffen worden. Im nächsten Schritt wird das Unternehmen eine schlanke Data Governance-Organisation einführen, um mithilfe des Data Warehouse die Qualität von erstellten und genutzten Daten zu messen.

Fazit

Ganzheitlicher Datenfluss, Prozesse und Organisationsformen sind wichtige Erfolgsfaktoren bei der digitalen Transformation von Unternehmen. Die Digitalisierung erfordert nicht nur technologische Anpassungen, sondern auch organisatorische Veränderungen, um langfristig erfolgreich zu sein. Aufbauend auf Unternehmenszielen, in denen die Digitalisierung als strategisches Element und als Mittel zur Zielerreichung verankert ist, können mit daraus abgeleiteten Projekten schrittweise die Organisation, Prozesse, Daten und Systeme optimal ausgerichtet werden.

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